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Wahltarife: Neue Vielfalt bei Krankenkassen

Krankengeld, Selbstbehalt, Prämie bei Leistungsfreiheit

Die Gesundheitsreform bringt einen einheitlichen Beitragssatz, aber auch neue Möglichkeiten für die Krankenkassen. Mit Wahltarifen können Versicherte Geld sparen oder ihren Versicherungsschutz um besondere Leistungen erweitern.




In Zeiten des einheitlichen Beitragssatzes werden Wahltarife zu einem wesentlichen Unterscheidungsmerkmal zwischen Krankenkassen. Mit der Gesundheitsreform 2007 hat der Gesetzgeber die Grundlage für die neue Tarifvielfalt geschaffen. Mit Wahltarifen können Versicherte Beiträge sparen oder mehr Leistungen erhalten. Allerdings binden sie sich dadurch für bis zu drei Jahre an die Krankenkasse. Die Mindestlaufzeiten sind gesetzlich vorgeschrieben.

Einen umfassenden Vergleich der verschiedenen, heute bereits angebotenen Tarife bietet das Internetportal Krankenkassen.de.

Wahltarif Krankengeld

Die wahrscheinlich wichtigste Neuerung ist der Wahltarif für das Krankengeld von Selbstständigen und Freiberuflern. Denn mit der Gesundheitsreform wurde die früher übliche Krankengeld-Zahlung durch die Krankenkasse für "hauptberuflich selbstständige Erwerbstätige" ausgeschlossen. Im Gegenzug wurden die Krankenkassen verpflichtet, betroffenen Mitgliedern einen Wahltarif mit Anspruch auf Krankengeld anzubieten. Selbstständige, die einen solchen Wahltarif nicht abschließen, haben seit 1. Januar 2009 keinen Anspruch mehr auf Krankengeld.

Die Bedingungen für den Wahltarif mit Krankengeldanspruch orientieren sich an den Konditionen bei privaten Versicherungsunternehmen, zum Beispiel durch eine Beitragsstaffelung nach Alter des Versicherten. Denn eine Quersubvention des Wahltarifs Krankengeld durch andere Beitragszahler ist gesetzlich ausgeschlossen. Wahltarife müssen kostendeckend sein. Insofern macht es Sinn, die Angebote der gesetzlichen Krankenkassen mit denen von privaten Krankentagegeldversicherungen zu vergleichen.

Wahltarif Selbstbehalt

Eine Neuheit im System der gesetzlichen Krankenkassen sind Tarife mit Selbstbehalt. Dabei verpflichtet sich der Versicherte, einen Teil der anfallenden Kosten für medizinische Leistungen selbst zu tragen und erhält im Gegenzug eine Prämie. Die Gestaltung des Tarifs steht den Kassen frei. Zu beachten ist allerdings, dass die Prämie nicht mehr als 20% des Jahresbeitrags ausmachen und nicht mehr als 600 Euro betragen darf.

Bei Tarifen mit Selbstbehalt geht der Versicherungsnehmer ein gewisses Risiko ein, wie folgendes Beispiel zeigt: ein gut verdienender, gesunder Angestellter zahlt 3.000 Euro jährlich für seine Krankenkasse. Er geht davon aus, keine medizinischen Leistungen in Anspruch zu nehmen und entscheidet sich für einen Selbstbehalt von 1.000 Euro jährlich. Dadurch spart er 600 Euro, senkt seine Zahlungen an die Krankenkasse also auf 2.400 Euro jährlich. Doch er hat Pech und bricht sich beim Skifahren ein Bein. 1.000 Euro der Behandlungskosten muss er nun selbst übernehmen. Aufs Jahr gerechnet hat er dann 3.400 Euro gezahlt, statt jener 3.000 Euro, die er im Normaltarif in der gesetzlichen Krankenversicherung gezahlt hätte.

Nicht jeder Arztbesuch führt aber dazu, dass der Prämienanspruch verloren geht. Bestimmte Vorsorgeuntersuchungen werden in jedem Fall von der Kasse getragen. Auch die Leistungen, die von mitversicherten Kindern und Jugendlichen in Anspruch genommen wurden, führen nicht zum Verlust der Prämie. Einige Krankenkassen gehen sogar noch weiter. Sie rechnen ärztliche Leistungen zum Beispiel nur dann auf den Selbstbehalt an, wenn der Arzt ein Rezept ausstellt oder der Patient im Krankenhaus behandelt wird. Die reine Untersuchung ist kostenfrei und wird nicht auf den Selbstbehalt angerechnet. Außerdem gibt es Anbieter, bei denen sich die Arztbesuche und Krankenhausaufenthalte des Ehepartners oder der mitversicherten, erwachsenen Kinder überhaupt nicht auf  den Eigenanteil auswirken.

An diesen Wahltarif sind Sie für 3 Jahre gebunden. Ein Wechsel der Krankenkassen ist in dieser Zeit in der Regel nicht möglich.

Wahltarif mit Prämie bei Leistungsfreiheit

Tarife mit Beitragsrückerstattung gibt es seit April 2007 für alle gesetzlich Versicherten. Davor konnten nur die freiwilligen Mitglieder einen Tarif wählen, der Rückzahlungen vorsieht. Die Prämie wird dann gezahlt, wenn ein Versicherter und die mitversicherten Familienangehörigen (sofern älter als 18 Jahre) in einem Kalenderjahr keine Leistungen zu Lasten der Krankenkasse in Anspruch genommen haben. Vorsorgeuntersuchungen sowie alle Leistungen, die für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren erbracht werden, zählen nicht dazu. Die Erstattungen dürfen aber nicht mehr als 20 Prozent des Jahresbeitrags für die Krankenkasse ausmachen. Und eine zweite Grenze gilt: Bei 600 Euro Prämie ist in jedem Fall Schluss.

Von allen Wahltarifen mit Rückzahlungsprämie ist die Beitragsrückerstattung die risikoärmste Variante. Der Vertrag ist in der Regel so aufgebaut wie der Normaltarif einer Krankenkasse, ohne Einschränkungen bei Leistungen oder der Kostenerstattung. Nur wenn das Jahr gut verläuft, und die versicherten Personen keine Leistungen benötigt haben, greift die Tarifoption und Sie erhalten einen Bonus. Allerdings binden Sie sich für ein Jahr an diesen Tarif und können die Krankenkasse dann in der Regel nicht mehr wechseln. Allerdings besteht ein Sonderkündigungsrecht, wenn die Krankenkasse einen Zusatzbeitrag erhebt oder einen bestehenden Zusatzbeitrag erhöht. Versicherte können in diesem Fall ihrer Krankenkasse auch kündigen, wenn sie einen Prämien-Wahltarif bei Leistungsfreiheit vereinbart haben.

Auch dieser Tarif macht also nur Sinn, wenn Sie tatsächlich davon ausgehen können, ein Jahr lang weder zum Arzt zu gehen noch Medikamente kaufen zu müssen.

Wahltarif Kostenerstattung

Ein eher hohes Risiko gehen Versicherte mit der Wahl der Kostenerstattung ein. Die Versicherten werden dabei ähnlich wie Privatpatienten behandelt und erhalten anschließend eine Rechnung, die sie bei ihrer Krankenkasse einreichen. Verbraucherschützer warnen, dass die Erstattung der Krankenkasse in vielen Fällen niedriger sein wird als der Rechnungsbetrag.

Vorteil ist, dass der Versicherte vermutlich gern gesehener Gast in der Arztpraxis ist und unter Umständen medizinische Leistungen erhält, die ansonsten Privatpatienten vorbehalten sind. Die Wahl der Kostenerstattung kann auf ausgewählte Versorgungsbereiche beschränkt werden, zum Beispiel auf ambulante, stationäre oder zahnärztliche Leistungen.

In Kostenerstattungstarifen können höhere Vergütungen vereinbart werden, als sie normalerweise von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen werden. Hierfür erhebt die Krankenkasse dann eine zusätzliche Prämie.
Wer an einem solchen Tarif interessiert ist, sollte sich bereits im Vorfeld genau informieren, wie die Erstattungsregeln der Krankenkasse im Einzelnen aussehen. Versicherte sind für mindestens ein Jahr an ihre Entscheidung gebunden.

Weitere Informationen:

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