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Beitragssatzsteigerungen vor Gesundheitsfonds-Start

Fast hundert gesetzliche Kassen erhöhten 2008 ihren Beitragssatz

Fast jede zweite gesetzliche Krankenkasse hat 2008 ihren Beitragssatz erhöht. Das ergab eine Analyse des Internetportals "Krankenkassen.de". Bei 94 Kassen zahlten die Versicherten im Juli 2008 mehr als Ende 2007.




Über 17,5 Millionen Menschen sind bei einer dieser Kassen versichert. Als Gründe für die Beitragssteigerungen wurden häufig stark gestiegene Kosten im Gesundheitswesen genannt. Einige Kassen versprechen sich durch verbesserte Finanzen eine gute Ausgangsposition für die Zeit nach dem Start des Gesundheitsfonds am 1. Januar 2009.

Die größte Steigerung meldete die Continentale BKK. Ihre Mitglieder zahlen seit 1. Mai 14,5 Prozent, 1,4 Punkte mehr als vorher. Die zweitgrößte Erhöhung gab es bei der Bahn BKK. Dort stieg der Beitrag zum 1. Januar um 1,3 Punkte auf 14,3 Prozent. Mit 600.000 Versicherten gehört die Bahn BKK zu den größten Betriebskrankenkassen in Deutschland.

Auch die Techniker Krankenkasse, mit 6 Millionen Versicherten eine der größten deutschen Krankenkassen, hat ihren Beitragssatz 2008 erhöht. Er stieg um 0,3 Punkte auf 13,8 Prozent. Als Ergebnis der Welle von Beitragssatzerhöhungen zum 1. Juli 2008 erreichte das Preisniveau bei den gesetzlichen Krankenkassen einen Rekordstand.

Eine kleine Minderheit von Versicherten konnte sich 2008 über geringere Beiträge freuen. Die früheren Versicherten der AOK Thüringen zahlten seit der Fusion mit der AOK Sachsen weniger. Für sie fiel der Beitragssatz am 1. Januar von 13,6 auf 12,9 Prozent. Darüber hinaus konnten fünf kleine Betriebskrankenkassen den Beitrag senken. Am stärksten ermäßigte die BKK Autoclub ihren Beitragssatz. Ihre Mitglieder zahlten seit dem 1. Juli mit 13,4 Prozent einen halben Prozentpunkt weniger. Die günstigste offene Krankenkasse war 2008 die IKK-Sachsen mit einem Beitragssatz von 11,8 Prozent. Am teuersten war es bei der City-BKK. Ihre Mitglieder zahlten 16,5 Prozent.

Der Vorstandsvorsitzende der Gmünder Ersatzkasse GEK, Rolf-Ulrich Schlenker, sagte, die Steigerung um 0,4 Punkte auf 14,3 Prozent bei der GEK sei auf hohe Arznei- und Krankengeldausgaben zurückzuführen. Ein Sprecher der 1,6 Millionen Versicherte zählenden Kasse ergänzte, man wolle mit soliden Finanzen den Fonds ansteuern.

Bei der Vorstellung des neuen GEK-Arzneimittelreports kritisierten Kassen und Experten mangelnde Wirksamkeit beschlossener Kostenbremsen bei Arzneimitteln. «Es geht alles zu langsam», sagte Schlenker. Angesichts eines Ausgabenanstiegs von knapp zehn Prozent je Versichertem seit Jahresbeginn drohe der Arzneimittelsektor zum Totengräber der Krankenversicherung zu werden. Laut Report verordneten Ärzte 2007 ohne sichtlichen Grund 11 Prozent mehr Medizin als im Vorjahr. Mehr als 28 Millionen Euro könnten gespart werden.

Mit der Gesundheitsreform ist beschlossen, dass Mehrkosten den Zusatznutzen neuer Mittel nicht stark übersteigen dürfen. «Die Instrumente werden noch nicht angewandt», räumte Caspers-Merk ein. Experten, Ärzte, Kassen und Kliniken ringen seit Monaten darum, wie Kosten und Nutzen bestimmt werden sollen. Schlenker sagte, wenn nichts anderes helfe, müssten Kassen eigene Listen verschreibbarer Mittel einführen oder der Staat müsse die Preise regulieren.

Zu den Kostentreibern zählten bis zu 70 000 Euro pro Jahr und Patient teure Mittel gegen Krebs, Multiple Sklerose oder Gelenkentzündungen. Solche Spezialmittel seien oft nützlich - würden aber «mit leichter Hand» auch oft unangebracht verordnet, kritisierte Arzneimittel-Experte Gerd Glaeske. Der Verband Forschender Arzneimittelhersteller entgegnete: Auf Fortschritte im Kampf gegen Krebs, Rheuma oder AIDS könne man stolz sein.

Ärzte verschreiben laut Report viel zu viele Antibiotika an Kinder und Antidepressiva an Senioren. 80 Prozent der Kinder mit Infektion der oberen Atemwege oder Mittelohrentzündung bekämen Antibiotika. Dies helfe oft nicht und bringe Nebenwirkungen.

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