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Ärzte: Nachteile für Kinder und Krebspatienten

Schlechtere Vorsorgung durch Gesundheitsfonds?

Der Gesundheitsfonds wird nach Einschätzung der niedergelassenen Ärzte zu einer schlechteren Versorgung bei vielen kranken Kindern und Krebspatienten führen, so der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Köhler.

 
Die Krankenkassen seien verunsichert und die Konsequenzen bereits jetzt spürbar, meint Köhler. «Die Kassen haben Verträge für die bessere Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit psychischen Erkrankungen und für Krebspatienten gekündigt und gehen auch keine Verträge für Patienten mit HIV/AIDS ein», sagte Köhler. «Wegen der Kündigungswelle kann es zu Versorgungsengpässen kommen.» Einschnitte gebe es etwa bei Heilpädagogen und Logopäden.

Das Bundesgesundheitsministerium forderte Ärzte und Krankenkassen auf, gegen etwaige Einschnitte vorzugehen. «Eine sachliche Begründung für eine Verschlechterung der Versorgung gibt es nicht», sagte Ministeriumssprecher Klaus Vater der Deutschen Presse-Agentur dpa. Die jüngst beschlossenen Honorarsteigerungen für Ärzte in Höhe von 2,7 Milliarden Euro sähen auch Verbesserungen für krebskranke Kinder vor. Erst vor wenigen Tagen sei zudem per Gesetz der Einsatz von mehr Kinderpsychiatern beschlossen worden. Die Kassenärzte müssten nun ihre Aufgaben auch für Schwerkranke ordentlich erfüllen.

Köhler sagte: «Die Forderung zum Abschluss solcher Verträge richtet sich an einzelne Kassen.» Deren Verband äußerte sich jedoch zurückhaltend. «Die Krankenkassen kämpfen Tag für Tag um die bestmögliche Versorgung ihrer Versicherten», sagte der Sprecher des GKV-Spitzenverbandes, Florian Lanz. Dies geschehe weiter. «Aber natürlich kann man die Augen nicht davor verschließen, dass die Möglichkeiten für kassenindividuelle Zusatzleistungen und Modellverträge durch den Einheitsbeitrag geringer geworden sind.»

Erst am kommenden Wochenende erfahren die Kassen vom Bundesversicherungsamt, wieviel Geld sie aus dem Fonds mit seinem Einheitsbeitrag von 15,5 Prozent konkret bekommen. Reichen einer Kasse die Zuweisungen nicht, muss sie Zusatzbeiträge von ihren Mitgliedern erheben. Dies wollen die Kassen aus Wettbewerbsgründen vermeiden.

Für Kinder mit dem Zappelphilipp-Syndrom ADHS zum Beispiel stellte die KBV bereits im Mai gemeinsam mit der Bundesregierung einen neuen Vertrag vor - Ziel: mehr Psychotherapie. Rund 500 000 Kinder und Jugendliche leiden unter der Störung - mehr als die Hälfte bekommen Psychopharmaka. Bislang konnte sich aber keine Kasse für die über das Übliche hinausgehende Versorgung per Sondervertrag mit den Ärzten entschließen. Köhler sagte, die KBV hoffe nun auf Abschlüsse im kommenden Jahr. «Da gibt es wirklich Versorgungsnotwendigkeiten.»

Längerfristig hält Köhler es für möglich, dass gesetzlich Versicherte für eine bessere Versorgung zusätzliches Geld ausgeben. «Wir müssen damit rechnen, dass etwa Eltern gestörter Kinder auch private Zusatzversicherungen abschließen, um die Leistungen zu erhalten», sagte Köhler.

Es sei nicht absehbar, ob die Kassen später wieder verstärkt Sonderverträge abschlössen. «Die Versicherten werden irgendwann fragen: Was bekomme ich für mein Geld? Da wird irgendwann wieder Wettbewerb entstehen. Aber im Moment ist er lahmgelegt», sagte Köhler. Die Kassen warteten den Fondsstart 2009 ab. Später seien spezifische Verträge für eine bessere Versorgung bei den 80 Krankheiten wahrscheinlich, für die die Kassen Ausgleichszahlungen aus dem Fonds bekommen, meinte Köhler.

Bundesgesundheitsministerium widerspricht

Das Bundesgesundheitsministerium hat Ärzte und Krankenkassen aufgefordert, gegen mögliche Einschnitte bei der Versorgung von verhaltensauffälligen Kindern und Krebspatienten vorzugehen. «Eine sachliche Begründung für eine Verschlechterung der Versorgung gibt es nicht», sagte Ministeriumssprecher Klaus Vater.

Vater betonte, die jüngst beschlossenen Honorarsteigerungen für die Ärzte in Höhe von 2,7 Milliarden Euro sähen auch Verbesserungen für krebskranke Kinder vor. Erst vor wenigen Tagen sei zudem per Gesetz beschlossen worden, dass mehr Kinderpsychiater eingesetzt werden sollen. Die Kassenärzte müssten nun ihre Aufgaben auch für Schwerkranke ordentlich erfüllen, forderte Vater.

 

 

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