Krankenkassen-Fusionswelle erwartet
TK und IKK-Direkt fusionieren zu größter Krankenkasse Deutschlands
Zum Start des Gesundheitsfonds im Januar bündeln die Krankenkassen in Deutschland ihre Kräfte. Die Techniker Krankenkasse und die IKK-Direkt haben angekündigt, sich zur größten Krankenkasse Deutschlands zusammenzuschließen. Die neue Kasse mit dem Namen TK soll rund 7,1 Millionen Menschen versichern.
Die Techniker Krankenkasse und die IKK- Direkt wollen Anfang 2009 zur größten Krankenkasse Deutschlands fusionieren. Die 1884 in Leipzig gegründete TK sitzt inzwischen in Hamburg und zählt derzeit 4,3 Millionen Mitglieder und 6,3 Millionen Versicherte. Das Haushaltsvolumen 2008 beträgt rund 18,2 Milliarden Euro. In den 215 Geschäftsstellen arbeiten 10 691 Angestellte. Der Beitragssatz liegt bei 13,8 Prozent. Die 2003 in Kiel gegründete IKK- Direkt zählt rund 600 000 Mitglieder und 830 000 Versicherte. Sie beschäftigt 800 Mitarbeiter. Das Haushaltsvolumen liegt bei 2,5 Milliarden Euro. Der Beitragssatz beträgt 12,9 Prozent.
«Durch die Fusion gewinnen wir eine bessere Marktposition», sagte TK-Chef Norbert Klusen. «Dadurch verbessern wir unsere Chancen, keinen Zusatzbeitrag erheben zu müssen.» Er versicherte, keiner der 2500 Arbeitsplätze in Hamburg werde wegfallen. Für kleine Kassen sehe er in der Zukunft große Schwierigkeiten. «Dort, wo wir unternehmerische Freiheiten haben und selbst Verträge schließen können, lassen sich für die Versicherten noch Millionen einsparen, auch beispielsweise bei den Arzneimittelkosten.»
Die IKK-Direkt habe bereits den Weg für den Zusammenschluss freigemacht, sagte die Sprecherin. «Der TK-Verwaltungsrat wird in der kommenden Woche über die Fusion entscheiden.» Danach müsse noch das Bundesversicherungsamt seine Genehmigung geben. Als «Antwort auf Gesundheitsfonds und Einheitsbeitrag» bezeichnete der Vorstandsvorsitzende der in Kiel ansässigen IKK-Direkt, Ralf Hermes, den Zusammenschluss. «Der Einheitsbeitrag nimmt der IKK-Direkt ihren Preisvorteil. Darauf mussten wir reagieren.»
Es handelt sich um die bislang größte kassenartenübergreifende Fusion. Mit der BKK mobil oil und der KEH Ersatzkasse hatten zum Jahresbeginn erstmals zwei Kassen diese Möglichkeit der jüngsten Gesundheitsreform wahrgenommen. Nun schließen sich eine Innungs- und eine Angestelltenkasse zusammen.
Weitere Fusion: Kaufmännische Krankenkasse Hannover und Betriebskrankenkasse der Allianz
Auch die Kaufmännische Krankenkasse Hannover (KKH) und die Betriebskrankenkasse des Versicherungskonzerns Allianz wollen sich zur KKH Allianz zusammenschließen. Die neue Krankenkasse aus Kaufmännische Krankenkasse Hannover (KKH) und die Betriebskrankenkasse der Allianz (BKK) werde gemeinsam mehr als zwei Millionen Versicherten und rund 4500 Beschäftigte haben, teilten die Unternehmen in einer gemeinsamen Erklärung mit.
Partner für private Zusatzversicherungen wird die Allianz Private Krankenversicherung. Die Firmenzentrale der neuen Versicherung wird in Hannover sein. Zu einem Stellenabbau soll es nach Angaben einer Sprecherin aber nicht kommen. «Wir sind auf Wachstumskurs.» Derzeit hat die KKH rund 4300 Beschäftigte und rund zwei Millionen Versicherte, die BKK Allianz 180 Mitarbeiter und rund 100 000 Versicherte.
Die Zahl der derzeit noch rund 215 gesetzlichen Kassen wird sich nach Branchenschätzungen in den kommenden Jahren stark vermindern. Die zwei Dutzend größten Kassen haben heute einen Marktanteil von rund drei Viertel. Durch Gesundheitsfonds und neuen Finanzausgleich zwischen den Kassen bekommen Versicherungen künftig Zuschläge, wenn sie Versicherte mit ausgewählten 80 teuren, häufigen Krankheiten haben. Folge: Kassen mit vielen jungen, gesunden Versicherten geraten in eine schlechtere Wettbewerbsposition gegenüber großen Versorgerkassen wie Barmer oder AOK. Zugleich gilt für alle Kassen künftig ein einheitlicher Beitragssatz. Wenn die Kassen mit dem Beitrags- und Steuergeld, das sie aus dem Fonds zugewiesen bekommen, nicht auskommen, müssen sie Zusatzbeiträge erheben - was sie nach Möglichkeit vermeiden wollen.Experten erwarten deshalb weitere Fusionen, da der Fonds und der damit verbundene Einheitsbeitrag vor allem für kleine Kassen wie die Betriebskrankenkassen Nachteile bringt. Sie können künftig nicht mehr mit besonders günstigen Beitragssätzen Kunden locken.




















