"Erfinder" des Gesundheitsfonds rechnet mit Insolvenzen
Drastischer Rückgang der Krankenkassen-Zahl erwartet
Der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Wolfram Richter gilt als "Erfinder" des Gesundheitsfonds. Auf seinem Entwurf eines „Sonderhaushalts“ der gesetzlichen Krankenversicherung gründet das umstrittene Reformprojekt der Bundesregierung. Für das Jahr 2009 prognostiziert er die ersten Insolvenzen von gesetzlichen Krankenkassen. Grund sei der verschärfte Wettbewerb, der mit dem Gesundheitsfonds geschaffen wird.
Gefährdet sieht Prof. Wolfram Richter vor allem kleine Krankenkassen, die sich den neuen Wettbewerbs-Anforderungen des Marktes nicht anpassen können. „Sie müssen Gesundheitsmanagement betreiben und eine Antwort auf die Frage finden, was nützt den Versicherten wirklich. Für dieses Gesundheitsmanagement braucht man aber erfahrenes Personal", erläutert Prof. Wolfram Richter die neue Situation der Krankenkassen. Kleine Krankenkassen könnten diese Veränderungen nicht mitgehen.
Der Druck des Wettbewerbs wird daher die Zahl der Kassen drastisch reduzieren und zahlreiche Krankenkassen-Fusionen bewirken. Aber auch Insolvenzen werden 2009 ein Thema sein. Insbesondere Kassen die sich nicht auf die neue Situation eingestellt haben, werden betroffen sein. "Die Zeiten, in denen man eben mal eine Betriebskasse gegründet hat, um unter den Versicherten Rosinenpickerei zu betreiben, sind endgültig vorbei.", sagte Wolfram Richter gegenüber der Berliner Zeitung.
Mit Einführung des Gesundheitsfonds wird der Beitragssatz aller gesetzlichen Krankenkassen vereinheitlicht. Der einheitliche Satz wird vom Bund festgelegt. Alle Krankenkassen-Beiträge der Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Rentner fließen dann in den Gesundheitsfonds und werden anschließend auf die Krankenkassen verteilt.
Jede Kasse bekommt für jeden Versicherten einen Einheits-Betrag zugewiesen, der sich durch Risikozuschläge für kranke und alte Versicherte erhöht. Damit soll der Gesundheitsfonds die Beitragseinnahmen leistungsgerechter auf die Krankenkassen verteilen. Zusatzbeiträge oder Rückerstattungen von Beiträgen in festen Euro-Beträgen sollen den Versicherten mehr Anreiz geben, in eine günstigere Krankenkasse zu wechseln. Das bisherige System mit unterschiedlichen prozentualen Beitragssätzen hätte entsprechende Wettbewerbs-Effekte nicht erzielt, erklärt Prof. Wolfram Richter.




















