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Privatversicherung auf dem Prüfstand

Forderung nach Einheitskasse

Die die privaten Krankenversicherungen fürchten durch die Reform um ihr Geschäftsmodell. Sie wehrt sich gegen den neuen einheitlichen Basistarif auf Niveau der gesetzlichen Versicherung und die geplanten Wechselmöglichkeiten unter Mitnahme der Altersrückstellungen.




Und die Auswirkungen der Gesundheitsreform auf die privaten Kassen? Der Wettbewerb mit den Gesetzlichen wird härter. Diese dürfen seit dem 1. April 2007 Tarife für privatärztliche Leistungen anbieten. Dadurch sehen neun von zehn Privaten ihr Geschäft bedroht. Auch jede zweite gesetzliche Kasse glaubt, die Privaten gingen insgesamt geschwächt aus der Gesundheitsreform hervor.

Infolge der Gesundheitsreform brachen bei der PKV die Neuzugänge um die Hälfte auf rund 60 000 Menschen ein. Das Geschäft mit den Zusatzversicherungen läuft dafür umso besser. Deren Zahl stieg um 7,5 Prozent auf 19,78 Millionen.

„Das Geschäftsfeld der privaten Krankenversicherungen wird nach und nach eingeschränkt, doch sie reagieren unentschlossen", sagt Prof. Volker Ulrich, Gesundheitsökonom an der Universität Bayreuth und Autor der Studie "Fokus Krankenversicherungsmarkt". Sie ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit der Unternehmensberatung Accenture und der Universitäten Bayreuth und Mannheim. „Kaum ein Versicherer plant, neue Zielgruppen anzusprechen oder Geschäft im Ausland zu machen."

Hälfte der Gesetzlichen befürwortet Ende des zweigeteilten Kassensystems. Das von der Politik diskutierte Szenario, das zweigeteilte Krankenversicherungssystem aufzuheben, begrüßt jede zweite gesetzliche Krankenkasse. Sie könnten so ihr Geschäft erweitern. Aber nur eine von 15 befragten Privaten kann sich vorstellen, dass sowohl gesetzliche als auch private Kassen solidarische Grundversorgung und private Zusatzversicherungen anbieten.

Radikale Reformideen
Mit radikalen Reform-Ideen stellen sich Teile der Versicherungsbranche auf massive Veränderungen bei der privaten Krankenversicherung ein. Nach einem Bericht der «Financial Times Deutschland» dringen große Konzerne wie Allianz, Axa und Ergo auf die Einführung einer Einheitsversicherung mit Grundschutz für alle Einwohner. Die private Krankenvollversicherung, der 8,55 Millionen Menschen angehören, stehe nach diesen Vorstellungen auf dem Prüfstand. In der Branche seien entsprechende Überlegungen aber höchst umstritten. Der Verband der privaten Krankenversicherung (PKV) wies zurück, dass Unternehmen des Verbands die PKV in ihrer jetzigen Form abschaffen wollten.

Das Geschäftsmodell großer, börsennotierter Versicherer ist ihren vielen älteren Versicherten in der Krise, während genossenschaftlich organisierte Versicherer wie Debeka oder Signal Iduna am bestehenden System festhalten wollten. In einer vom GDV-Präsidium eingesetzten Arbeitsgruppe sei es wegen der Differenzen zum Eklat gekommen. Schulte sagte hingegen, kein Unternehmen dringe auf einen Radikalumbau des Gesundheitswesens; der Bericht führe in die Irre.

Die Zeitung berief sich unwidersprochen auf ein Arbeitspapier, das im Auftrag des Präsidiums des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) erstellt worden sei. Ein Allianz- Sprecher sagte der Deutschen Presse-Agentur dpa in München: «Dieser Arbeitsstand wird noch nicht in den Gremien des GDV diskutiert.» Bis dahin könne man sich zu diesem Thema nicht äußern. Die Zeitung zitierte einen ungenannten Versicherungschef mit dem Aufruf an die Branche, «das Undenkbare zu denken».

Die Versicherer würden dem Bericht zufolge nach dem neuen Konzept Einheitsprämien unabhängig von Alter und Geschlecht berechnen. Die Grundsicherung wäre für alle - entsprechend dem SPD-Konzept einer Bürgerversicherung - verpflichtend. Langfristig sehe der Vorschlag die Aufhebung der Trennung zwischen gesetzlichen und privaten Kassen vor. Die Privaten würden Zusatzversicherungen für Zusatzleistungen anbieten.

GDV-Sprecher Peter Schwark sagte in Berlin, als Teil eines innerverbandlichen Diskussionsprozesses würden verschiedene Szenarien durchgespielt. Es gebe aber keine entsprechende Position des Verbandes. Reinhold Schulte, Vorsitzender des PKV-Verbands, sagte: «Interne und nicht offizielle Arbeitspapiere können und wollen wir nicht kommentieren.»

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach bezeichnete die zitierten Vorschläge als «Schritt in die richtige Richtung». Der Markt könne so unbürokratischer und gerechter werden. Der Gesundheitsexperte der Linken, Frank Spieth, sagte, die Unternehmen räumten damit das Scheitern ihres bisherigen Geschäftsmodells ein.

Bund skeptisch zu radikalen Reformideen von Privatversicherungen
Radikale Reformideen einzelner privater Krankenversicherer bis hin zu einer Einheitskasse stoßen beim Bundesgesundheitsministerium auf Skepsis. Faktisch werde in einem entsprechenden Papier die Abschaffung der gesetzlichen Krankenversicherung vorgeschlagen, sagte Ministeriumssprecher Klaus Vater in Berlin. Deswegen herrsche in seinem Ressort Reserviertheit.

Zugleich wertete Vater entsprechende Überlegungen als Indiz für weitreichende Umbrüche. Durch die jüngste Gesundheitsreform sei eine Menge Bewegung in die Szene hineingekommen. Nun müsse abgewartet werden, welche Geschäftsmodelle sich in der Branchen der privaten Krankenversicherung durchsetzten. Der Vorsitzende des Verbandes der privaten Krankenversicherung, Reinhold Schulte, hatte betont, die Branche stehe uneingeschränkt zu einem Gesundheitssystem mit gesetzlicher und privater Krankenversicherung.

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