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Basistarif seit 1. Januar 2009 eingeführt

Keine Unterscheidung nach Geschlecht oder Gesundheitszustand

Seit 1. Januar 2009 bieten die privaten Krankenversicherungen (PKV) einen "Basistarif" an. Doch in der Praxis wird das nicht unbedingt zu Vorteilen führen, befürchten Experten: Der Basistarif könnte die "Holzklasse" der PKV werden. Viele Unternehmen kündigen schon jetzt Beitragserhöhungen für ihre Versicherten an. Verbraucherschützer raten zum Abwarten.




In der privaten Krankenversicherung (PKV) wurde zum 1. Januar 2009 ein "Basistarif" mit einem Leistungsangebot eingeführt, das dem der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) vergleichbar ist. Die Höhe der Beiträge des Basistarifs richtet sich nur nach dem Eintrittsalter und dem Geschlecht des Versicherungsnehmers, nicht nach seinem Gesundheitszustand. Es besteht wie bei der GKV ein "Kontrahierungszwang", das heißt eine gesetzliche Verpflichtung der privaten Versicherungsunternehmen, Versicherte aufzunehmen. Risikoausschlüsse oder -zuschläge gibt es beim Basistarif nicht.

Die Versorgung von Versicherten im Basistarif wird über die kassenärztlichen und kassenzahnärztlichen Vereinigungen sichergestellt. Um die Bezahlbarkeit des Basistarifs zu gewährleisten, darf dessen Beitrag für Einzelpersonen den durchschnittlichen Höchstbeitrag in der GKV nicht überschreiten. Der durchschnittliche Höchstbeitrag in der GKV beträgt derzeit rund 500 Euro. Die Versicherten können außerdem in Zukunft leichter zwischen den Versicherungsunternehmen wechseln. Dazu werden die Alterungsrückstellungen der Versicherten bei einem Wechsel der Versicherung im Umfang des Basistarifs mit übertragen.

Die Versicherten der privaten Krankenversicherungen dürfen allerdings nur in einem schmalen Zeitfenster von sechs Monaten ab 1 . Januar 2009 in den Basistarif wechseln - oder dann, wenn sie in finanzielle Not geraten. Schon seit 1 . Juli 2007 mussten die Versicherungen Menschen aufnehmen, die gar nicht versichert waren - jedenfalls dann, wenn diese früher in der PKV oder selbstständig tätig waren. Der Basistarif sieht eine Vergütung nach dem 1 ,8-fachen Satz vor.

Je mehr Menschen den Basistarif in Anspruch nehmen, desto größer wird die Belastung für die Versichertengemeinschaft. Bis zu zehn Prozent Beitragssteigerung sind denkbar. Verbraucherschützer sehen noch deutlich höhere Beiträge auf die Privatversicherten zukommen.

Doch ohnehin erschwert die Reform den Wechsel von der GKV in die PKV. Seit dem 2. Februar 2007 müssen Versicherte nachweisen, dass sie drei Jahre ununterbrochen über der Jahresarbeitsentgeltgrenze lagen, also pro Jahr mehr als 48.800 Euro brutto (Grenzwert für 2009) verdient haben.

Übertragbarkeit der Altersrückstellungen
Der Wechsel zwischen einzelnen privaten Krankenversicherungen wird dagegen erleichtert. Allerdings ist auch er nur zwischen dem 1 . Januar und 30. Juni 2009 möglich - jedenfalls dann, wenn die Versicherten die angesparten Altersrückstellungen mitnehmen wollen. Was das für die Versicherten dann bedeutet, ist nach einhelliger Ansicht der Experten noch nicht abzusehen.

Bislang beschränkte sich der Wettbewerb der privaten Versicherungsunternehmen im Wesentlichen auf die Neuanwerbung von jungen (gesunden) Versicherten, während für ältere Versicherte ein Versicherungswechsel häufig mit erheblichen Prämienerhöhungen verbunden war und damit faktisch nur sehr selten stattfand.

Der Grund: Bei einem Wechsel konnte die so genannte Alterungsrückstellung - das ist der Betrag, den Versicherte zur Glättung des (sonst höheren) Beitrags im Alter aus ihren Prämien beim Versicherer ansparen - nicht zum neuen Versicherungsunternehmen mitgenommen werden. Wechsler mussten also ihre Alterungsrückstellung wieder völlig neu aufbauen, was ihre Beiträge für die neue Versicherung erheblich verteuerte. Faktisch war der Wechsel damit für langjährig PKV-Versicherte unmöglich.

Jetzt kann ein PKV-Versicherter seine Alterungsrückstellungen im Umfang des Basistarifs beim Wechsel in ein anderes privates Unternehmen mitnehmen. Er wird dann im neuen Unternehmen so gestellt, als ob er dort in dem Alter eingetreten wäre, in dem er den ursprünglichen Versicherungsvertrag im alten Unternehmen abgeschlossen hat. Für Tarife, die im Leistungsumfang über den Basistarif hinausgehen, die also Leistungen beinhalten, die zum Beispiel auch in Zusatzversicherungen zur GKV enthalten sind, wird die Portabilität in Höhe des Basistarifs eingeführt.

Für PKV-Versicherte, die nach dem 31.12.2008 einen neuen Krankenversicherungsvertrag abschließen, gilt die Übertragbarkeit im beschriebenen Umfang uneingeschränkt. Für Versicherte, die einen Krankenversicherungsvertrag vor dem 1. Januar 2009 abgeschlossen haben, ist eine befristete Wechselmöglichkeit vorgesehen: Sie können nur in einem Zeitraum von sechs Monaten ab 1. Januar 2009 unter Mitnahme der Alterungsrückstellungen im Umfang des Basistarifs zu einem anderen Unternehmen wechseln. Unter gewissen Voraussetzungen können diese "Altversicherten" zudem zeitlich unbeschränkt innerhalb ihres Unternehmens unter Mitnahme der Alterungsrückstellung in den Basistarif wechseln.

 

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