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Privatversicherer verteidigen Kerngeschäft

Marktführer Debeka prognostiziert Preisschub

Die Mitgliederversammlung des PKV-Verbands habe sich einstimmig für einen weiteren Ausbau der Vollversicherung als Alternative zu einer zunehmend staatlich regulierten Grundversorgung ausgesprochen, sagte der Verbandsvorsitzende Reinhold Schulte am Mittwoch in Berlin.




Gegen Berichte über heftigen internen Richtungsstreit setzt die private Krankenversicherung (PKV) demonstrativ auf Wachstum im Kerngeschäft. Konzerne wie Allianz, Axa und Ergo hatten nach Medienberichten in einem internen Papier über die Überführung der PKV und der gesetzlichen Krankenversicherung in eine Einheitskasse mit Grundversorgung nachgedacht und damit internen Streit ausgelöst.

Den Privaten bliebe dann nur das Geschäft mit Zusatzversicherungen. Schulte sagte, die drei Unternehmen stünden eindeutig zur Vollversicherung. «Niemand in der PKV will die Vollversicherung aufgeben.» Schulte stimmte die Versicherten auf Kostensteigerungen auch bei den privaten Kassen ein. PKV-Direktor Volker Leienbach erläuterte, etwa bei Axa machten die Zusatzverträge nur einen Anteil von 4,5 Prozent gegen 79,3 Prozent Vollversicherungen aus.

Mit neuen Angeboten sucht die PKV angesichts erschwerter Geschäftsbedingungen durch die Gesundheitsreform die Offensive. Geplant sind branchenweit die Einstellung von 300 qualifizierten Pflegeberatern sowie Investitionen in Höhe von 10,5 Millionen Euro pro Jahr gegen Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen. Für die Vermeidung von Leistungseinschnitten sei die Kapitaldeckung wie bei der PKV langfristig im Gesundheitswesen alternativlos, da der medizinische Fortschritt immer teurer werde.

Gegen drohende Kostensteigerungen verlangte die PKV von den Ärzten bezahlbare Honorare auch für Privatpatienten. Leienbach kritisierte, es gebe zu viele doppelte Diagnosen und zu teure Strukturen bei der Apparatemedizin. Die geplante neue Gebührenordnung müsse Öffnungsklauseln für abweichende Verträge zwischen Versicherungen und Ärzten zulassen.

Der Verband forderte die Bundesregierung zu einer Regelung auf, nach der ein Privatversicherter mindestens drei Jahre bleiben muss, wenn er in den Basistarif einer anderen Privatkasse wechselt. Andernfalls würden ältere und kranke Versicherte, die nicht wechseln, die Reform mit höheren Beiträgen bezahlen.

Zum Basistarif auf dem Niveau der gesetzlichen Versicherung sind die Privatkassen ab 2009 verpflichtet. Er soll eine dauerhafte Alternative für alle Neuversicherten werden und bis Ende Juni 2009 auch den bisherigen Kunden offenstehen. Beim Wechsel des Anbieters sollen Versicherte künftig ihre Altersrückstellungen mitnehmen dürfen. Da der Basistarif Kostendämpfung und Leistungsbegrenzung wie bei gesetzlichen Kassen aufweise, werde er keinen starken Zulauf haben, so Schulte.

Der Verbandschef zeigte sich zuversichtlich, dass die anhängigen 30 Verfassungsklagen gegen die Reformregeln erfolgreich sein werden. Ungeachtet dessen sei die Umsetzung voll im Plan. Gegen die zunehmenden Wahltarife gesetzlicher Kassen nach Vorbild der Privaten setze die PKV ebenfalls auf das Bundesverfassungsgericht.  

Marktführer Debeka prognostiziert Preisschub
Privat Krankenversicherte müssen sich ebenso wie gesetzlich Versicherte von 2009 an auf höhere Beiträge einstellen. Die private Krankenversicherung (PKV) wird nach Berechnungen des Marktführers Debeka deutlich teurer. Demnach würden neue Policen von 2009 an bei Arbeitnehmern und Selbstständigen im Branchen-Durchschnitt etwa 15 Prozent mehr kosten als die bisherigen, in der Spitze sogar bis zu 25 Prozent. Nur Beamte kämen besser weg.

Ursache für diesen Preisschub: Von 2009 an dürfen Neuversicherte bei einem Anbieterwechsel ihre Altersrückstellungen mitnehmen. Kaum ins Gewicht falle dagegen der neue Basistarif in der PKV, der vergleichbare Leistungen wie die gesetzliche Krankenversicherung bietet. Er mache sich rechnerisch für alle Kunden mit einem Prämienaufschlag von 1,2 Prozent bemerkbar, sagte Debeka-Vorstand Roland Weber.

Bei den gesetzlichen Krankenkassen wird mit einem Anstieg des durchschnittlichen Beitrags von derzeit 14,85 Prozent des Bruttolohns auf mehr als 15 Prozent gerechnet. Der Präsident des Bundesversicherungsamtes, Josef Hecken, verwies auf die angestrebte Verbesserung der ärztlichen Vergütung, steigende Arzneimittelkosten und auf Mehrausgaben für Krankenhäuser. Der Gesundheitsfonds, der am 1. Januar 2009 starten soll, sei nicht der Grund für diese höhere Belastung. 

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