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Sind Hausarztmodelle wirkungslos?

Befragung der Bertelsmann Stiftung wirft Fragen auf

Hausarztmodelle sind eine Form der medizinischen Versorgung, bei der ein Hausarzt in der Funktion eines Lotsen sämtliche Behandlung koordiniert. In einer Studie der Bertelsmann Stiftung wurde jetzt ermittelt, dass die gewünschte Wirkung der Modelle bisher nicht eingetreten ist. Patienten sehen sich nicht besser versorgt, die Zahl der Facharztbesuche nahm zu.




Bei der hausarztzentrierten Versorgung – auch als Hausarztmodell bekannt – verpflichten sich Versicherte für mindestens ein Jahr, zunächst immer nur einen Hausarzt aufzusuchen. Der Facharztbesuch erfolgt lediglich durch Überweisung des Hausarztes. Der Hausarzt, der in einer Art Lotsenfunktion im Gesundheitssystem agiert, soll dabei die Steuerung und Koordinierung der Patientenbehandlung optimieren. Das Hausarztmodell soll so die Versorgung der Patienten verbessern.

Die Krankenkassen sind durch den Gesetzgeber verpflichtet bis zum 30. Juni 2009 flächendeckend Hausarztmodelle anzubieten. Nach Mitteilung des Bundesgesundheitsministeriums nehmen schon 6 Millionen Versicherte an entsprechenden Modellen teil. Eine Patientenbefragung der Bertelsmann Stiftung ist nun zu dem Ergebnis gekommen, das die Hausarztmodelle bisher nicht das erwünschte Ergebnis erzielt haben.

Der Studie zufolge fühlen sich teilnehmende Patienten nicht besser versorgt als Patienten, die nicht am Hausarztmodell partizipieren. Nur 59 Prozent der befragten Teilnehmer an Hausarztmodellen berichteten von einer verbesserten Gesundheit nach der Behandlung. Bei der komplementären Gruppe der Befragten waren es 68 Prozent. Bei Patienten, die mit akuten Beschwerden einen Arzt aufsuchten, zeigte sich das gleiche Bild. Teilnehmer des Modells berichteten zu 66 Prozent von einer Verbesserung ihrer Gesundheit, gegenüber 74 Prozent bei den anderen Patienten.

Auch die Zahl der Facharztbesuche ist nicht zurückgegangen. Suchten Teilnehmer von Hausarztmodellen im Jahr 2004 durchschnittlich 1,9-mal pro Jahr einen Facharzt auf, stieg die Zahl auf 2,5 Besuche im Jahr 2007. Bei nicht am Hausarztmodell teilnehmenden Patienten stieg die Zahl im gleichen Zeitraum lediglich von 2 auf 2,1.

„Hausarztmodelle in ihrer bisherigen Ausgestaltung bieten für die Patienten keine bessere medizinische Versorgung", schlussfolgert daher Jan Böcken, Projektleiter bei der Bertelsmann Stiftung. "In den bestehenden Verträgen der Krankenkassen werden für die teilnehmenden Ärzte kaum Anreize gesetzt, die Versorgung zu verbessern." so Böcken weiter. Um ihre Lotsenfunktion wirkungsvoll auszufüllen, bräuchten die Hausärzte etwa einen systematischen Überblick über die Qualität im Facharztbereich.

Der Gesundheitsmonitor der Bertelsmann Stiftung macht alle zwei Jahre repräsentative Befragungen zu aktuellen Themen des deutschen Gesundheitswesens. Für die Umfrage zum Hausarztmodell wurden in sechs Befragungsintervallen von Oktober 2004 bis April 2007 insgesamt 9000 Menschen interviewt.

 

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